Ist Ihr Bitcoin-Portfolio eine rechtliche Zeitbombe? Ein neues Buch, das jeder Krypto-Investor kennen sollte
- Niklas Farnbacher

- vor 14 Stunden
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Wer Bitcoin hält oder mit digitalen Assets handelt, steht bereits im Visier des deutschen Steuerrechts — auch wenn die Regeln noch längst nicht vollständig geschrieben sind.
Genau diese Lücke zwischen dem, was die Finanzbehörden besteuern wollen, und dem, was sie rechtlich dürfen, ist der Schauplatz, auf dem derzeit Vermögen — und Rechtsstreitigkeiten — gewonnen und verloren wird. Ein soeben erschienenes Fachbuch, „Steuertsunami Bitcoin 5.0” (2026), legt offen, wie unsicher dieses rechtliche Terrain tatsächlich ist.
Das Werk wurde von einem Autorenteam verfasst, dem Prof. Dr. Joerg Andres, Matthias Brockhaus, Niklas Farnbacher, Prof. Dr. Richard Schmidt und Joshua Stoffels angehören. Es entstand, um eine kritische Lücke zu füllen: In Deutschland existiert bis heute kein eigenes Gesetz zur Besteuerung von Kryptowährungen. Die Autoren — Rechtsanwälte, Steuerberater und Hochschullehrer — erklären, was das Recht tatsächlich sagt, wo es versagt, und was jeder Investor jetzt wissen muss.
Die wichtigsten Erkenntnisse unserer Spezialisten Prof. Dr. Richard Schmidt und Niklas Farnbacher
Die rechtliche Grundlage für die Besteuerung von Kryptowährungen ist weit weniger gesichert, als allgemein angenommen.
Weder der Begriff „Bitcoin” noch „Kryptowährung” taucht irgendwo im deutschen Einkommensteuergesetz auf. Die Finanzbehörden stützen sich auf Auffangtatbestände — vor allem § 23 EStG —, um Krypto-Gewinne zu besteuern. Das BFH-Urteil aus dem Jahr 2023, das als Grundlage dieser Praxis gilt, steht jedoch auf methodisch zweifelhaften Fundamenten: Es dehnte den Begriff des „Wirtschaftsguts” ohne tragfähige gesetzliche Grundlage aus und ersetzte eine juristische Analyse durch Annahmen aus der Marktpraxis — und sogar aus dem ungesetzlichen Bitcoin-Whitepaper.
Die Frage FiFo oder LiFo kann erhebliche finanzielle Auswirkungen haben.
Bei der Berechnung steuerpflichtiger Gewinne aus dem Krypto-Verkauf bevorzugt die Finanzverwaltung derzeit die Methode „First-in, First-out” (FiFo). Unsere Analyse zeigt jedoch: Eine gesetzliche Grundlage dafür gibt es nicht. Ein Urteil des Finanzgerichts Nürnberg aus dem Jahr 2025 hat die „Last-in, First-out”-Methode (LiFo) als gleichermaßen zulässig anerkannt. Wie Anleger ihre Bestände dokumentieren und auf separate Portfolios aufteilen, kann in der Praxis einen erheblichen Unterschied bei der Steuerbelastung machen — ein Detail, das die meisten Investoren übersehen.
Schon das Handelsvolumen allein kann Sie vom „Privatanleger” zum „Gewerbetreibenden” machen — mit gravierenden steuerlichen Folgen.
Die Grenze zwischen privater Vermögensverwaltung und gewerblichem Handel ist für Kryptowährungen gesetzlich nicht definiert. Stuft das Finanzamt Ihre Handelstätigkeit als gewerblich ein, entfällt die einjährige Spekulationsfrist rückwirkend für das gesamte Steuerjahr — und zusätzlich zur Einkommensteuer wird Gewerbesteuer fällig. Das Buch warnt: Dieser Übergang kann schnell, still und für den Investor fast unbemerkt eintreten.
In-Game-Skins und virtuelle Gegenstände sind die nächste Baustelle — und die Behörden holen auf.
Kapitel 10 betritt Neuland: Es beleuchtet die Besteuerung von In-Game-Assets, etwa Weapon-Skins im Spiel Counter Strike 2. Manche digitale Gegenstände werden für hunderte oder gar tausende Euro gehandelt — und Sekundärmärkte haben sich eigens etabliert, damit Spieler diese Werte in echtes Geld umwandeln können. Farnbacher zeigt, dass diese Märkte in einer echten rechtlichen Grauzone liegen. Die steuerliche Behandlung ist vollkommen ungeklärt. Gerichte könnten die für Kryptowährungen entwickelte Rechtsprechung direkt auf Gaming-Inventar anwenden. Auch die Eigentumsfrage ist komplex: Der Plattformbetreiber (Valve/Steam) kann den Zugang zu jedem Skin jederzeit widerrufen.
Warum das für Sie persönlich entscheidend ist
Ob Sie Bitcoin halten, Staking-Erträge erzielen, NFTs handeln oder seltene In-Game-Gegenstände für echtes Geld verkaufen — das Buch macht eines unmissverständlich deutlich: Sie bewegen sich in einem rechtlichen Umfeld, das einerseits aggressiv besteuert und andererseits noch haphazard aufgebaut wird. Eine lückenlose Dokumentation — einschließlich Anschaffungszeitpunkten, Umrechnungskursen und Portfolio-Struktur — ist kein Luxus, sondern Pflicht. Und die Entscheidungen, die Sie heute über die Strukturierung Ihrer Bestände treffen, können darüber entscheiden, ob ein künftiger Steuerbescheid abwehrbar oder existenzbedrohend ist.
Lesen Sie das Buch. Sprechen Sie mit einem Spezialisten.
„Steuertsunami Bitcoin 5.0” ist ab sofort erhältlich und ist Pflichtlektüre für jeden, der in Deutschland nennenswert in digitale Assets investiert ist. Wenn Sie Fragen zu Ihrer persönlichen Situation haben, steht Ihnen unser Team bei Schmidt Partners gerne für eine Beratung zur Verfügung.



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